MSC Oberflockenbach e.V. im ADAC
 

Januar 2011

Akrobaten auf drei Rädern

Meister/Seib fahren eine tolle Saison

Als im letzten Jahr die  legendäre Odenwälder Seitenwagenszene  durch Volker Meister und Jürgen Seib neu belebt wurde war man richtig  froh. Wurde doch eine Tradition wiederbelebt, die  so viele unvergessliche Rennsportereignisse in das Gedächtnis zurückruft.  Einige Deutsche Meisterschaften und 2 Weltmeistertitel haben ihre Wurzeln im Odenwald und wenn man den längst verstorbenen Doppelweltmeister Helmut Fath nach dem besonderen Kick bei diesem faszinierenden Sport fragte, dann sagte der bescheidene Ursenbacher nur:Man braucht neben allem technischen Verständnis vor allem ein großes Herz.

Er meinte damit nichts anderes als man einen unwahrscheinlich großen Mut braucht wenn man mit über 200kmH die Rennstrecken dieser Welt entlang donnert, dann eine wahnsinnige Bremsleistung, die enorme Fliehkräfte, mit einem mehrfachen des eigenen Körpergewichtes freiwerden lässt und an Muskeln und Gelenken zerrt. Gleichzeitig treibt das Adrenalin den Herzschlag in ungeahnte Höhen, denn  nur Bruchteile von Sekunden später muß der Copilot aus der Verkleidung heraus, der Lederkombi streift am Boden,  der Fahrer muss die schlingernde Fuhre sauber durch die Kurve ziehen um kurz danach wieder die Gerade hinauf zu beschleunigen und das ganze Spiel beginnt von Neuem. Begleitet wird das ganze  vom dumpfen Grollen des BMW – Boxer – Motors, der bis an seine Drehzahlgrenzen getrieben wird.

Über Winter hatte man das Renngespann gut vorbereitet, ein neues Renntriebwerk war aufgebaut worden und die beiden Piloten des MSC Oberflockenbach wussten um ihre Stärke.

Gleich zu Saisonbeginn auf dem Lausitzring konnten sie ihre Schlagkraft unter Beweis  stellen.  Sie waren die schnellsten ihrer Klasse bis in einer schnellen  Kurvenkombination die enormen Kräfte für den Beifahrer zu groß wurden und er aus dem Beiwagen geschleudert wurde. Glücklicherweise unverletzt, nur mit einigen blauen Flecken und dem Wissen um die eigene Stärke wurde der  Heimweg angetreten..

Dann folgte der legendäre Nürburgring. Auch dort  wusste man zu überzeugen. Mit einem nicht erwarteten zweiten Platz gab es einen weiteren Fingerzeig.

Nun folgte die Odenwald Classic in Walldürn. Auf dem Weg zum Vorstart des Qualifying riss der Gaszug. Obwohl man wieder zu den Schnellsten zählte, musste man aus der letzten Startreihe starten. Die beiden pflügten durch das Feld, teilweise mit schnellsten Rennrunden konnten sie noch auf die Position 5 vorfahren.

Dann kam das gefürchtete Schleizer Dreieck. Ein toller Start brachte die Odenwälder in Front. Bis 2 Runden vor Schluss konnten sie Führungsluft schnuppern. Der Sieg lag greifbar nahe, als ein Bremszylinder am Hinterrad kollabierte. Dennoch konnten sie den zweiten Platz ins Ziel retten..

Auch bei dem folgenden Rennen in Oschersleben demonstrierten sie wieder ihre Extraklasse. Nach einem schwächeren Start war das Renngespann auf dem Weg nach vorne. Bereits an dritter Stelle liegend, die zweite Position im Visier passierte das Unfassbare: Das mit viel Mühen und Geld aufgebaute Renntriebwerk explodierte. Enttäuscht musste man die Heimreise antreten..

Der nächste Lauf in Metz musste ausfallen, da man ein neues Triebwerk aufbauen musste.

Mit Geld und Mühen erwachte ein neuer Motor zum Leben. Volker Meister, der Tüftler, Schrauber, Fahrer und Denker hatte alles richtig gemacht. Gleich bei dem ersten Auftritt mit dem neuen Motor  beherrschten sie die Konkurrenz und standen das erste Mal ganz oben auf dem Siegerpotest.

Nun folgte Sankt Wendel, ein Startkurs mit eigenem Charakter. Auch hier waren sie wieder die schnellsten ihrer Klasse.

Beim letzten Rennen in Hildesheim wieder ein Spitzenergebnis. Wieder konnten sie nur von den stärkeren 1000ccm-Maschinen in Schach gehalten werden. Gesamtergebnis: P3.

Am 25/26.9 fand das Saisonfinale im badischen Motodrom in Hockenheim statt. Mit der derzeitigen Topform der beiden Odenwälder Vorzeigepiloten war mit allem zu rechnen. Natürlich war eine Spitzenposition angestrebt, und richtig. Meister/Seib erwiesen sich einmal mehr als unbezwingbar für ihre Gegner. Platz 1. Damit gelangten unsere Clubkameraden auf einen nie erwarteten dritten Rang in der Deutschen Meisterschaft.

Der Jubel unter den zahlreich mitgereisten Fans war riesig – und sie werden unsere Akrobaten auf drei Rädern auch im nächsten Jahr unterstützen, wenn sie nach der Krone im historischen Gespannsport greifen.

Wolfram